Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge e.V.


 

 

Obstwiese 1 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: BNS Administrator   
Sonntag, 23. März 2008 02:36

Seit Jahrhunderten gehören Obstwiesen zu den landschaftsprägenden Elementen unserer Kulturlandschaft. Obstbäume waren immer ein unverzichtbarer Kulturbegleiter des Menschen. Höfe und Siedlungen wurden von Grüngürteln aus Obstbäumen umgeben und damit um einen wertvollen Lebensraum bereichert. Obst-Reihenpflanzungen an Strassen und in der Feldflur gliederten und belebten das Landschaftsbild.

Der Begriff "Obstwiese" umfasst alle Anpflanzungen von hochstämmigen, groß-kronigen Obstbäumen - von dem block- oder gruppenartig bepflanzten Obstbestand bis zur Obstbaumreihe entlang einer Strasse - deren Unterwuchs als Mähwiese oder Viehweide genutzt wird. Typische Obstwiesen werden im Gegensatz zum Plantagenobstanbau nur extensiv gepflegt und bewirtschaftet, dabei vor allem für den Eigenbedarf an Obst genutzt.

Die typischen Obstwiesen am Dorfrand sind häufig der Ausweitung der Siedlungsgebiete zum Opfer gefallen (Bild oben). Fehlende Betreuung und Nutzung sowie landwirtschaftliche Intensivierung gefährden die letzten Obstwiesen in der Feldflur.

Ein solcher Streuobstanbau leistete bis in die 60er Jahre des letzen Jahrhunderts immer einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Frischobst und Obstprodukten. Modernisierung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie die sich auch im Obstanbau durchsetzenden modernen Anbauverfahren (Obstplantagen mit Buschobst) führten seit etwa 40 Jahren zu einem starken Rückgang der Obstwiesen.

Obstbäume wurden und werden - gefördert durch EG-Rodungsprämien - gerodet, z.B. allein im Kreis Coesfeld zwischen 1970 und 1973 ca. 12.000 Bäume! Durch Ausweitung von Siedlungs- und Industrieflächen gingen besonders viele Obstwiesen in Ortsrandlagen verloren. Dem Ausbau der Verkehrswege vielen viele Obstalleen zum Opfer. Insgesamt ist der Bestand an Obstbäumen in NRW nach einer Erhebung des Landesamtes für Statistik in wenigen Jahrzehnten um ca. 2,5 Millionen Bäume bzw. ca. 65% zurückgegangen!

Die noch übrig gebliebenen Obstwiesen sind zudem oft überaltert und aufgrund fehlender Betreuung in einem ungepflegten Zustand. Viele von ihnen sind außerdem durch Nutzungsaufgabe, Baumassnahmen oder andere Eingriffe gefährdet.

Aus diesen Gründen wurden Obstwiesen in die "Vorläufige Rote Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Biotope" aufgenommen. Schutz- und Hilfsmassnahmen sind dringend geboten, um diese insbesondere für Dörfer typische Lebensgemeinschaft zu erhalten und eine weitere Verarmung unserer Kulturlandschaft zu verhindern. Im Rahmen eines eigenen Programms werden deshalb vom Land NRW Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederbegründung von Streuobstwiesen gefördert. Landschaftsbehörden, Naturschutz- und Heimatvereine sowie die Verbände von Landwirtschaft und Gartenbau setzen sich heute für den Erhalt der Obstwiesen ein.