Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge e.V.


 

 

Es brummt! Ohne Bienen kein Obst... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Chris Harraß   
Dienstag, den 09. Februar 2016 um 21:51 Uhr

Unser Vereinsmitglied Manfred Schmitz ist Imker ( www.wiesenkind.de ) und hat u.a. auf unseren Streuobstflächen Bienenvölker aufgestellt. Über die Bedeutung der kleinen Brummer für eine gute Apfelernte referiert er im nachfolgenden Artikel.
-------------------------------------------------------------------------------------------------
Bedeutung der Honigbiene für den Obstbau und für Streuobswiesen

Die Pflege und Erhaltung der teils vom Austerben bedrohten lokalen und regionalen Obstsorten (Apfel, Birne, Pfaume, Kirsche und Pfirsich) im Rheinland ist seit fast 30 Jahre ein Anliegen der Bürgerintitiative Naturschutz Siebengebirge e.V. (BNS). Von den knapp 50 im Rheinland identifizierten, teils regional nur als „Dorfsorte“ von wenigen Menschen bekannten Obstsorten, könnten nicht wenige, ohne Nachpflanzungen kulturgeschichtlich endgültig verloren gehen. Dabei ist es gerade die Vielfalt, die –im wahrsten Sinne des Wortes- fruchtbar ist und eine Vielfalt an Insekten hervorbringt und von ihr wiederum profitiert. Die Bedeutung von Bienenvölkern als Hauptbestäuber in Streuobstwiesen, die zum Teil in oder an der Grenze zu Naturschutzgebieten liegen, soll im Folgenden dargestellt werden.


bltemitbiene
Die Bestäubungleistung zahlreicher Kultur-und Nutzpflanzen durch die Honigbiene, tritt durch die Honiggewinnung oft in den Hintergrund. Sie wird in ihrer Bedeutung und ihrem Wert unterschätzt und löst bei Vergleichen immer wieder Erstaunen aus. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung übersteigt den Wert der Honigproduktion um das 12 bis 15 fache: Rund 80% aller Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Honigbienen als Bestäubung angewiesen.

Bitte klicken Sie auf "weiterlesen"!

 

Biologisch gesehen sind Honigbienen auch heute noch einem Wildtier gleichzusetzen: sie sind kein domestiziertes Stalltier, sondern sie sind auf das natürlich vorkommende Nahrungsangebot angewiesen. Als „heimische Tierart“ (§20a, Abs. 4 des BundesNaturschutzgesetzes) nimmt die Honigbiene (Apis millifera) unter all den bestäubenden Insekten eindeutig den ersten Rang ein. In Ergänzung und nicht in Konkurenz mit den solitär lebenden Wildbienen, zeigt sie eine enorm hohe Anpassungsfähigkeit an Klima- oder Vegetationsänderungen (keine hohlen Bäume mehr im 21. Jahrhundert). Der seit Millionen Jahren bewährte komplexe Sozialstaat der Bienen mit seinen demokratischen Verständigungsstrukturen, den faszinierenden Sinnesleistungen, der Arbeits-teilung von 10.000 bis 60.000 Individuen, die blüten- und ortsstetig als extreme Generalisten die Vielfalt der Blüten besucht, stabilisiert zahlreiche Lebensgemeinschaften.
Eine natürliche Imkerei, als Unterstützung der Bienenvölker in der von Globalisierung, Monokultur- und Umweltgiften bedrohten Umwelt, ist die einzige Form landwirtschaftlicher Nutzung, die ohne Zerstörung von Vegetation auskommt und durch Sicherstellung der Bestäubung die Umwelt äußerst positiv beeinflusst.
Obstwiesen, auf denen nur eine Sorte Äpfel oder Birnen angepflanzt werden (Einsortenplantagen), bleiben ohne Befruchtersorten, unfruchbar. Zweisortenplantagen tragen nur dann ausreichend Früchte, wenn die beiden Sorten zur gleichen Zeit blühen.

mitohnebienen
Apfel/Birnenertrag mit und ohne Bienen

 



Je mehr Sorten angepflanzt, sich potentiell bestäuben können, um so sicherer sind langfristig gute Erträge. Dies ist einer der Gründe, warum die alten Streubstwiesen, die immer seltener werdende Vielfalt an Birnen (Pirus comm.) und Äpfeln (Malus hybr.) beherbergen und geschützt und gepflegt werden sollten.
Diese sind vielfach zunächst selbststeril, d.h. mit eigenem Pollen setzen diese Obstarten keine oder nur sehr mangehafte Früchte an.
„Manche Apfel- und Birnensorten sind zudem pollensteril, d.h. ihr Pollen ist taub und für jegliche Bestäubung ungeeignet. Wie bei allen anderen Obstarten ist Windbestäubung, selbst in dichten Anlagen, bedeutungslos. Die Dringlichkeit der Bestäubung durch Insekten ist also sehr ausgeprägt, soll ein gesicherter Fruchtansatz erreicht werden.
Der Samen übt gewissermaßen eine hormonelle Wirkung auf die entwicklung des Fruchtfleisches aus. Unterbleibt die Ausbildung von Samen, so kommt es beim Steinobst nicht zum Fruchtansatz. Beim Apfel steht die Fruchtgröße und damit die Qualität mit der Anzahl an samen in engem Zusammenhang. Bei einseitiger Befruchtung entstehen unförmige, unsymetrische Früchte.“
Weiter ist zu beachten, dass das „effektive Bestäubungszeitfenster“ meist kürzer ist, als die Blütendauer. Dieses Bestäubungszeitfenster schwankt je nach Obstsorte zwischen erstaunlichen geringen 2 bis 8 Tagen im Jahr!!! Eine optimaler Bestäubung durch die Bienen während dieser kurzen Zeitspanne ist deshalb äußerst wichtig. Trotz der Temperaturabhängig von Öffnungszeiten der Blüten und der Ausflughäufigkeit der Bienen, erreicht die Honigbiene einen Anteil von 75 bis 90% der Bestäubungsleistung. Der restliche Anteil wird von Solitärbienen, Hummeln, Schmetterlingen, Schwebfliegen etc. geleistet, deren geringe Anzahl bzw. später im Jahr einsetzende Populationsstärke nicht die der in Volkstärke überwinternden Bienen erreichen.
Eingroßer Teil des von den Bienen im Frühling gesammelten Pollen stammt in unserer Region von den hiesigen Obstbäumen. Die Menge des pro Blüte produzierten Pollens schwankt je nach Obstart (Wildkirsche 0,3 - Apfel 1,7mg).
Auch die Bienenverteilung in Obstanlage ist zu beachten: Geht man von bis zu 1.000 Blütenbesuche/Tag pro Biene aus und rechnet man bei 10 bis 20.000 Bienen pro Volk mit rund 5.000 Sammlerinnen, so kommt mann auf eine Bienenvolk-dichte von etwa 2 Völker pro Hektar. Abhängig von den Pollen- und insbesondere auch der Nektarangebote in der Umgebung der Obstfelder (Raps als Konkurent), kann sowohl die Anzahl als auch der Aufstellzeitpunkt der Bienen (kurz vor Blühbeginn) diese zahl beeinflussen.

bienenstock
Bis zu 50.000 Bienen pro Volk

Eine Aufstellung in kleinen Gruppen von 2-3 Bienenvölkern ins Zentrum ist dabei am sinnvollsten. Wind- und kältegeschützte Orte, die eine Überlappungen der Flugradien erlauben, ist von Vorteil.
Ohne Bienen wird die sowohl die Fruchtbarkeit der wilden Obstarten als auch die Samenproduktion vieler Pflanzen nachlassen, wird die Lebensgrundlage aller höheren Lebewesen insb. des Menschen, eingeschränkt.
Die Honigbiene mit ihren wilden solitär lebenden Verwandten ist nicht nur ein Glied in einer Kette, die ohne diesen Glied zerfällt, sie ist vielmehr Grundstein, auf dem ein lebendiges, Wechselspiel von anorganischem, pflanzlichem, tierischem und menschlichem Zusammenhalt auf diesem Planeten aufbaut.
Durch den Bütenbesuch seitens der Honigbiene stellt die Imkerei den Grundbedarf an Bestäubung eines großen Teils der wildwachsenden Vegetation sicher. Damit gewährleistet sie ein Mindestmaß an allgemeine Biologischer Vielfalt. Ohne Honigbienen kein Obstbau und keine Streuobsternte.

Quellenangaben:
Die Bedeutung der Honigbiene für die Befruchtung von Kulturpflanzen, Prof....
Die Bedeutung der Bienen für den Obstbau, Prof. ...
In: DIB, Wachtberg, 2001 (5.2, insb. S. 6f.)
Bienenhaltung und Naturschutz, Prof ...
In: DIB, Wachtberg, 2001 (5.1 ...
Fachzentrum Bienen und Imkerei, Mayen ...
LVR-Netzwerk Umwelt: Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland, Köln 2010
Fotos: © by wiesenkind® www.wiesenkind.de
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 10. Februar 2016 um 13:14 Uhr